Treibgut im April

 

Blau gehisst in Grau am Strand

Direkt vor mir im Sand

Auf Dünungsriefen ausgesetzt

Aus Rost und Holz das dunkle Stück

Zerkerbt, vernarbt, geflickt

Deplatziert und abgewetzt

Ein Schimmer von Benzin

Haltlos, allein und ohne ein Wohin

Weit gereist, auf Kurs im Drift

Frag längst nicht mehr, wo du bist

Herausgefallen, der Welt zu viel

Treibgut im April

 

Viele Geschichten dran und drauf

Ein Nebelhorn heult müde auf

Fernab der Küste, aus der Zeit

Nicht bittersüß und nicht verziert

In schlechter Hoffnung enkodiert

Aus auswegloser Wirklichkeit

Draußen auf dem Meer

Aus hoher Not fortgetrieben bis hierher

Splitter dunkelrot verfärbt

Gibt niemand hier, der sich drum schert

Zwischen Dünengras und Priel

Treibgut im April

 

Vielleicht aus kleinem Land

Eine abgeschlagene Hand

Oder der Schädel eines Kinds

Von einem Floß, das meerwärts schwimmt

Hohe Wellen und 500 Jahre Krieg

Bringen Leichenteile, Post in Flaschen mit

 

Im lauen Nordwind feine Gischt

Ein Positionslicht, das erlischt

Am Horizont zwei Sonnenstrahlen

Hör eine Möwe heiser schreien

Die Schritte wie von ganz allein

Knirschen über tote Muschelschalen

Ich dreh mich lang nicht um

Schwarzer Fleck im Sand, niemandes Eigentum

Hab keinen Sims oder Kamin

Weiß auch selbst nicht mehr wohin

Ich noch hinziehen, mich -wenden will

Treibgut im April