Gnadenbrot-Ballade

 

Aus Sandkasten und Straßenbahn

Waren sie sich bekannt

Es dauerte Jahre, zwei Abendmahl

Bei Wein und Sardinen am Strand

Er sollte aufs Meer, sie in die Fabrik

Im Duft nach Tang, nach Fisch und nach Teer

Im Zimmer am Hafen fanden sie Glück

Wollten Brot und Rosen und mehr

 

Und küssten sich hungrig im Straßencafé

Versprachen sich robinsonfrei

Zusammen die Zukunft, vierblättrigen Klee

Rosengarten und Bäckerei

Es senkten sich dunkle Wolken ins Tal

Er zog wie die Brüder aufs Meer

Sonnenschirme wehen umher im Mistral

Sie den drei Kapitänen hinterher

 

Komm wir trinken zum Vergessen

Die Moral gibt‘s nach dem Essen

Beim Tischgebet möcht keiner gern

Von unsern Missetaten hören

Ich reich dir die Pferdedecke

Niemand stirbt für sich allein

Doch im großen Rattenrennen

Bleibt so mancher auf der Strecke

Und der Sieger wird am Ende

Unsere beste Ratte sein

 

Bockschöre überm Kasernenhof

Geißeln Selbstsucht und heftige Gier

Durch Seuche, Flut und Hungersnot

Das Herzland fest im Visier

Das Böse gehasst und das Gute geliebt

Tyrannen der Blutrunst geziehen

Wildgänse rauschen, der Maikäfer fliegt

Und ewig die Mohnblumen blühen

 

Hinterm Horizont sind die Träume verscharrt

Gemeinsame Sachen verbrannt

Statt Sardinen Languste in Weißwein gegart

Beigaben vorm Tellerrand

Es herrscht großer Gnadenbrot-Appetit

Zuwendung, Provision, Salär

Er nahm nur seine leere Tasche mit

Und vergaß sie sein Lebtag nicht mehr

 

Komm wir trinken zum Vergessen

Die Moral gibt‘s nach dem Essen

Beim Tischgebet möcht keiner gern

Von unsern Missetaten hören

Ich reich dir die Pferdedecke

Niemand stirbt für sich allein

Doch im großen Ratenrennen

Bleibt so mancher auf der Strecke

Und der Sieger wird am Ende

Unsere beste Ratte sein

 

Ich hab im Traum zehntausend Mal

Rückwärts gedreht die Uhr

Wir beide in der Tabac Bar

Noch einmal in Saint Amour

Wir essen Brot und trinken roten Wein

Vergeuden Tag um Jahr

Lassen die Glückstreber Glückstreber sein

Und bleiben einfach da